Fahnenschwinger, gelebte Erinnerung

Burschbaum aufstellen – die Botschaft des Baums

Am Samstag vor dem Fahnenschwingen wird der Burschbaum aufgestellt, der ein Symbol für die Zeit des Kirtags darstellt. Er gilt als sichtbares Zeichen des vollzogenen Brauches und bleibt sechs bis acht Wochen stehen. Das Burschbaumstellen am Schwanaplatz gilt als gefährliches Unterfangen, bei dem die Burschen mit althergebrachten, einfachen Mitteln (Holzstangen) einen ca. 37 Meter hohen Baum aufrichten und für dementsprechenden Adrenalinschub sorgen.

Fahnenschwingen, gelebte Erinnerung

Der Brauch des Fahnenschwingens findet jährlich am Sonntag nach Fronleichnam statt. Die Ausführung übernimmt traditionell die Burschenschaft des Ortes.

Der Ablauf der Handlungen ist streng reglementiert. Sie beginnen mit der Wahl des Fähnrichs, der als einziger die Fahne schwingt. Ihm zur Seite stehen sechs kleine Uniformierte in den historischen „Hajduken-Uniformen“, zwei Kellner mit Krügen, zwei Wachtmeister, ein Kommandant und zwei Sterzträger. Jeder Mitwirkende hat in den stilisierten Ritualen seinen festen Platz und eine fixe Aufgabe. Dazu gehören das Salutieren, den Eltern die Ehre erweisen, indem man sie um Erlaubnis für die Zeremonie bittet, das Eskortieren der Fahne, die offizielle Eröffnung im Wirtshaus und natürlich das Schwingen selbst. Der Tanz der mächtigen Fahne und die Choreographie des „Fahnenschwingers” werden so zum eindrucksvollen Manifest der Erinnerung an den Mut der Neckenmarkter Vorfahren.

Zwei Frauen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle: Die Dirn und die Fahnenmutter. Während erstere die Freundin des Fähnrichs ist, die Blumen und Maschen für die Fahne besorgt, schmückt die Fahnenmutter damit die Fahne. Letztere ist die einzige Konstante im Spiel, weil sie im Gegensatz zu allen anderen Protagonisten immer dieselbe Person bleibt.

Die Figur und der damit verbundene Brauch erinnern an die Schlacht von Lackenbach (1620) und den heldenhaften Einsatz der Bevölkerung gegen die Siebenbürgischen Reitertruppen. Der kaisertreue Grundherr Nikolaus Esterházy war damals in seinem Schloss von einer übermächtigen Heerschar des ungarischen Aufständischen Gabor Bethlen eingekesselt worden. Die Neckenmarkter Bauern und Bürger zogen nach Lackenbach und stemmten sich gegen die Magyaren. Nach ihrem Sieg bekam Esterházy vom Kaiser den Besitz der Aufständischen übertragen und stieg dadurch vom kleinen Fürsten zum Großgrundbesitzer auf. Als Dank für den rettenden Einsatz der Neckenmarkter verlieh Esterházy dem Ort das „kaiserliche Privileg der Fahne“.

Einblick in diese seit dreieinhalb Jahrhunderten gelebte Tradition gibt das Fahnenschwingermuseum in der Neckenmarkter Rathausgasse 1.
www. neckenmarkt.eu

Quelle: Gemeinde Neckenmarkt, Text: Emmi Fekete (neckenmarkt.net/gemeinde/fahnenschwingen)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.