Violinistin Bojidara Kouzmanova: „Musizieren ist wie atmen“

Die Wahl-Neckenmarkterin Bojidara Kouzmanova spielt Violine auf Konzertbühnen von Australien bis in die USA.

Die gebürtige Bulgarin Bojidara Kouzmanova ist Muskerin mit Herz und Seele. Sie konzertierte unter anderem in Australien, Deutschland, Israel, Italien, Taiwan und in den USA. Einige Komponisten haben sogar extra für die Violinistin gewidmete Stücke komponiert.

In Neckenmarkt hat sie vor einiger Zeit eine zweite Heimat gefunden. Und da der Wein ein Teil des Lebens in der Blaufränkisch-Gemeinde ist, kam ihr die Idee, diesen mit ihrer Herzenssache, der Musik, zu verbinden. Im Februar fand ein erstes Konzert ihrer Reihe „Edler Klang und feine Weine“ in Wien statt. Das zweite geplante Konzert in Neckenmarkt musste jedoch aufgrund der Corona-Bestimmungen abgesagt werden.

Mit der BVZ sprach Kouzmanova über ihre Musik, ihren Weg nach Neckenmarkt und darüber, wie es weiter gehen soll.

BVZ: Sie spielten bereits als Solistin mit dem Sofia Philharmonic, dem Rousse Philharmonic Orchestra, den Wiener Bachsolisten, dem Sinfonieorchester Basel und vielen anderen. Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Bojidara Kouzmanova: „Meine Eltern haben früh gemerkt, dass ich sehr musikalisch bin und so begann ich schon im Alter von fünf Jahren in Sofia in Bulgarien in einer speziellen Schule für talentierte Kinder Geige zu spielen. Ab da an war der Weg klar, ich habe keinerlei Erinnerung an ein Leben ohne Geige. Sie gehört einfach zu mir. Das Musizieren ist für mich wie Atmen. Die Musik steht über Sprache, Kultur und Mentalität, sie kommuniziert direkt von Herz zu Herz. Sie spricht da weiter, wo die Worte versagen.

An welche Konzerte oder Bühnenhighlights erinnern Sie sich besonders gerne zurück?

Am frischesten in meinem Gedächtnis ist mein Debüt im Großen Musikvereinssaal in Wien mit dem Violinkonzert von Max Bruch im vergangenen Jahr. Auch das erste Konzert unserer Konzertreihe „Edler Klang und feine Wein“ im Alten Rathaus in Wien im Februar war ein wunderbares Ereignis.

Wie ist die Idee zur Konzertreihe „Edler Klang und feine Weine“ entstanden?

Die Idee zu einer eigenen Konzertreihe habe ich schon länger gehabt. Und da wir in einer der besten Weingegenden von Österreich leben und mein Mann und ich Musiker sind und Rotwein lieben, lag es auf der Hand, Musik und Wein zu kombinieren. Wir wollen Konzerte mit gleichem erlesenen Programm sowohl in Wien als auch in Neckenmarkt machen.

Welches Programm hätte die Zuhörer beim Konzert in Neckenmarkt erwartet und wird dieses nachgeholt werden?

Das erste Konzert in Neckenmarkt sollte Schubert gewidmet sein, seinem Streichtrio und dem Streichquintett in C-Dur, einem der schönsten kammermusikalischen Stücke. Die Vertrautheit, die in diesem Stück zwischen den Musikern auf der Bühne und dem Publikum entstehen kann, ist meiner Meinung nach einzigartig. Wir werden alles tun, um dieses Konzert nachzuholen, vielleicht schon in der nächsten Saison. Das zweite Konzert, welches für den 18. Juni im Weingut Wellanschitz geplant war, wird auf den 5. September verschoben. Wir haben hierfür auch eine kleine Überraschung für unser Publikum vorbereitet.

Auf der Website www.edlerklangundfeineweine.com gibt es auch etliche Fotografien, die von Ihnen erstellt worden sind, zu sehen. Ist das eines ihrer Hobbys?

Fotografieren macht mir große Freude und so kann ich allen, die es interessiert, zeigen, wie sich die Welt durch meine Augen anfühlt und poste die Fotos auf unserer Website.

Wie hat es Sie eigentlich nach Neckenmarkt verschlagen?

Ganz unromantisch… Wir haben ein Haus mit Garten gesucht und haben hier eines gefunden. Erst danach ist uns klar geworden, wie schön und besonders dieser Ort ist. Meine Familie und ich sind glücklich, nun auch die Corona-Zeit in Neckenmarkt zu verbringen.

Wie erleben Sie als Musikerin die derzeitige Corona-Krise?

Über die für Künstler beängstigende, existenzbedrohende finanzielle Seite möchte ich lieber nicht reden. Schön ist, dass ich viel mehr Zeit für meinen Sohn und meine Familie habe, dass jeden Tag gekocht und gemeinsam gegessen wird. Wir können im Garten arbeiten und stundenlang draußen sein. Ich lese viel mehr und kann endlich einige Dinge erledigen, die schon seit Jahren liegen geblieben sind. Traurig bin ich über den mangelnden Kontakt zu meinen Freunden und Schülern. Und ganz besonders fehlen mir meine Arbeit, meine Kammermusikpartner, das gemeinsame Musizieren, die Proben und die Konzerte. Ich erlebe die momentane Stille auch als eine Art Generalpause, Zeit, sich wieder neu zu orientieren, neu zu ordnen, neu zu bewerten und Kräfte zu sammeln. Vielleicht haben uns die durch Corona bedingten Veränderungen einiges gelehrt, was wirklich wichtig ist und wofür es sich tatsächlich lohnt zu kämpfen. Vielleicht werden wir etwas langsamer, dafür ruhiger und glücklicher. Ich hoffe darauf, dass wir das Leben ‚danach‘ nicht nur sinnvoller und besser gestalten, sondern es auch mehr genießen werden. Hoffentlich auch bald wieder mit Publikum.

Text: Isabella Kuzmits – BVZ Oberpullendorf, Foto: Andrej Grilc

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